Medienbericht Hamburger Abendblatt

Artikel erschienen im Hamburger Abendblatt am 11.8.2026
Autorin Insa Gall, Ressortleiterin Landespolitik
Außenwerbung in Hamburg neu vergeben – weniger Werbetafeln, mehr Buswartehäuschen

Außenwerbung in Hamburg neu vergeben: weniger Werbetafeln, mehr Buswartehäuschen

Hamburg. Ökologischere Regeln ausgehandelt: Was sich an den 5000 Werbetafeln ändert und warum Fahrgastunterstände jetzt sogar ein Gründach bekommen.

Weniger Werbetafeln im öffentlichen Raum in Hamburg und damit weniger Lichtverschmutzung, mehr Wartehäuschen an Bushaltestellen und eine insgesamt ökologischere Ausrichtung der Außenwerbung: So lässt sich in wenigen Schlagworten das neue Konzept für Werbung auf rund 5000 Werbeflächen an Straßen und Plätzen, Litfaßsäulen und City-Lights umschreiben, das Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) am Dienstag vorgestellt hat. In einem Vergabeverfahren hat die Hansestadt die Werberechte im öffentlichen Raum neu vergeben.

Die Zuschläge gehen für die kommenden 15 Jahre an die zum J.C. Decaux-Konzern gehörende Wall GmbH und die DSM Deutsche Städte Medien GmbH, welche Teil der Ströer-Gruppe ist. An dieser Stelle ändert sich nichts. „Die neuen Konzessionäre sind auch die alten“, sagte Tjarks. Das Konzept aber hat sich gewandelt.

Die neuen, in vielen Einzelheiten abgestimmten Werbekonzepte setzen verstärkt auf stadtbildgestalterische, ökologische und soziale Belange und gelten bis Ende 2041, heißt es vom Senat. Die Bürgerschaft muss noch zustimmen. Jährlich fließen durch die Außenwerbung – umsatzabhängig und „trotz schwieriger Marktlage“ – rund 30 Millionen Euro in die Kassen der Stadt. „Das ist wichtig“, so Tjarks. Die Mittel würden direkt für städtische Projekte und die Verbesserung der Infrastruktur verwendet. Dazu sei der Gegenwert der neuen Busunterstände und deren Pflege zu rechnen.

Werbung in Hamburg: Weniger Werbeanlagen, mehr Wartehäuschen an Haltestellen
Zwei Aspekte dürften für die Hamburgerinnen und Hamburger besonders wichtig sein: Die Zahl der Werbeanlagen wird insgesamt gesenkt – um bis zu 170 Anlagen, abhängig von der Genehmigungslage in den einzelnen Bezirken. Digitale Werbeanlagen werden nur maßvoll eingesetzt und unterliegen strengen Regeln: Sie schalten sich nachts ab, leuchten weniger intensiv (zum Schutz von Insekten) und zeigen keine grellen oder ablenkenden Effekte. Es geht um insgesamt ruhigere Animation statt hektischer Bewegtbilder.

Zugleich werden die Werbefirmen verpflichtet, mindestens 400 neue Fahrgastunterstände zu bauen, die Schutz vor Wind und Wetter bieten. Alle neuen Unterstände sind barrierefrei und mit altersgerechten Sitzmöbeln mit Rückenlehnen und Armstützen ausgestattet. Aktuell gibt es auf Hamburger Gebiet rund 2250 solcher Haltestellen-Unterstände. Sie wurden von den renommierten Architekten Sir Norman Foster und André Poitiers entwickelt und werden laufend gepflegt und unterhalten, sodass sie in einem guten Zustand seien.

100 der neuen Fahrgastunterstände sollen ein Gründach bekommen

Auch sollen mindestens 100 der neuen Unterstände ein Gründach erhalten, das das Stadtklima verbessert und Lebensraum für Pflanzen und Tiere schafft. Bisher haben nur sieben Wartehäuschen so ein Gründach. Hier hätten sich Bienen und sogar neue Bienenarten angesiedelt. Die bestehenden Warteunterstände seien aus statischen Gründen nicht nachzurüsten, erläuterte Tjarks. Die neuen Gründächer sollen bei heißem Wetter oder lang anhaltender Trockenheit sogar gewässert werden. Vogelschutzmarkierungen an allen neuen Anlagen tragen ebenfalls dazu bei, die Artenvielfalt zu unterstützen.

„Mit den neuen Werbeverträgen setzen wir in Hamburg ein klares Zeichen für mehr Lebensqualität, Nachhaltigkeit und kulturelle Vielfalt im öffentlichen Raum“, sagte Tjarks bei der Vorstellung der Pläne. „Wir reduzieren die Zahl der Werbeanlagen, schaffen mehr Grün und fördern den Artenschutz – und gleichzeitig investieren wir in Komfort, Barrierefreiheit und Information für alle Hamburgerinnen und Hamburger.“

Die Fahrgäste des ÖPNV würden insbesondere von den 400 neuen Haltestellenhäuschen profitieren. „Die Einnahmen aus der Werbung fließen direkt in wichtige städtische Projekte. So gestalten wir gemeinsam ein attraktives, lebenswertes und zukunftsfähiges Stadtbild.“

Mehr Werbung für Kulturveranstaltungen dank Rabatten

Weitere Neuerungen: Die Stadt bekommt größere Kontingente zur Eigenwerbung. Sie bezogen sich bislang nicht auf die digitalen Werbeflächen, sondern nur auf die analogen. Dies wurde geändert. So kann die Stadt stärker für die öffentlichen Unternehmen oder für Personal werben – sowie auch für Kulturveranstaltungen. Kulturwerbetreibende profitierten von hohen Rabatten von bis zu 90 Prozent auf den entsprechenden Werbeträgern.

Auf digitalen Werbeanlagen werden auch künftig zuverlässig amtliche Warn- und Gefahrenhinweise ausgespielt, um die Bevölkerung umfassend und zeitnah zu informieren, so der Senat. Zusätzlich sollen auf Anlagen in der Nähe von Denkmälern gezielt und regelmäßig Informationen zu ihnen angezeigt werden.

Volksinitiative wollte „Hamburg werbefrei“ – und scheiterte

Die alten Verträge für die Außenwerbung in Hamburg laufen Ende des Jahres aus. SPD und Grüne hatten im Januar in einem gemeinsamen Bürgerschaftsantrag beschlossen, dass die Außenwerbung auf den etwa 5000 öffentlichen Werbeflächen, etwa an Bushaltestellen, Litfaßsäulen oder Aufstellern, noch stadtverträglicher und ökologischer ausgestaltet wird. Es gehe um einen fairen Ausgleich zwischen Werbung, Stadtbild, Komfort und Sicherheit. Vertragspartner der Stadt sind seit knapp 20 Jahren die Firmen JCDecaux, Wall GmbH sowie die DSM Deutsche Städte Medien GmbH, Ströer. 

Die Volksinitiative „Hamburg Werbefrei“ hatte sich 2025 gegen bewegte, beleuchtete und besonders großflächige Reklame eingesetzt und wollte kommerzielle, insbesondere digitale Leuchtreklame und Bildschirme im öffentlichen Raum reglementieren. Das Volksbegehren verfehlte im Frühjahr 2025 mit rund 50.800 eingereichten Unterschriften allerdings das notwendige Quorum von rund 66.000 Unterstützern. Mit Blick auf diese Volksinitiative sagte Tjarks: „Wir haben hier, glaube ich, ein gutes Gesamtpaket geschnürt.“

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